– Handelsblatt

Elite Report 2014

Wenn die Vermögensverwaltung der Königsweg ist, ist das Family Office der fast im verborgenen liegende Kaisersteg. Man drängt sich nicht in den Vordergrund. Schließlich ist die Diskretion ein wesentlich geleb- tes Stilelement, wenn man im Dienst vermögender Familien steht. Geltungssucht wäre das Ende.

Gute, vornehme Family Offices sind deshalb nur schwer auszumachen. Man bewirbt sich nicht, dient sich nicht an. Familie Offices sind weder geregelt noch vergleichbar. Wer sie in eine Schublade pressen würde, unterstreicht damit, dass er das Selbstverständnis eines Family Offices nicht versteht. Zu ihrer Profession gehört, dass sie einzig und allein ihrem Auftraggeber folgen und nur ihm verpflichtet sind. – Es gibt daher nur einen Weg, diese seriöse Elite im Verborgenen zu erfassen. Man muss Zugang haben, das Gespräch suchen. Das geht natürlich nur, wenn man Vertrauen genießt. Wir haben uns im Zuge unserer Leumundsbefragungen die Hinweise auf seriöse Family Offices gesammelt, um im Anschluss danach eine feine Nach-Recherche anzustellen. Die vertrauliche Befragung von Insidern bringt Erfolg. Aber auch Kritik wird deutlich. So weist man darauf hin, dass der Begriff des Family Office inflationär gebraucht und auch missbraucht wird. Nicht jeder, der sich Family Office nennt, überzeugt mit seiner Leistung, die wirklichen Kenner der Szene. Wenn sich also Ihnen ein Frischling-Family Office anbieten sollte, müssen Sie unbedingt die Akteure unter die kritische Lupe nehmen: Verbirgt sich hinter dieser Firmengründung nur eine Abteilung einer Bank oder sind es in der Tat ernstzunehmende Fachleute, die ihre Erfahrungen zielorientiert vermarkten wollen. Unbedingt muss man eine Referenzliste erbitten, um gegebenenfalls mit einem dieser angeführten Kunden Kontakt aufzunehmen. Wir haben die grundsätzliche Recherche bei zehn Hinweisen auf ein neues Family Office eingeleitet. Bei fünf war das Haus noch leer, weder Kunden noch Mitarbeiter. Dafür aber viel Wortgeklingel bei der telefonischen Anfrage. Der oder die Hauptakteure kamen zum Teil aus einer Steuerkanzlei oder einem Finanzvertrieb. Sie wollten eben etwas feineres. Drei waren junge Anhängsel von Banken, zwei dienten in der Tat einer vermögenden Familie. Sie wollten mit ihrem erweiterten Family Office ihre Dienstleistung auf einen neuen Kunden ausdehnen also einen Rationalisierungseffekt erzielen. 

Warum Vermögensinhaber unabhängige Honorarberater benötigen, sagen Stephan Buchwald und Berndt Otternberg vom Hamburger Family Office Kontora, im Gespräch mit Elite Report. 

Elite Report: Herr Buchwald, die meisten Unternehmer zieht es nach dem Verkauf der eigenen Firma zur Hausbank oder zu großen Finanzdienstleistern. Was ist falsch daran?

Stephan Buchwald: Nach dem Verkauf eines Unternehmens oder generell nach dem Zufluss einer größeren Summe stellt sich unserer Erfahrung nicht als erstes die Frage, wie und wo das liquide Vermögen investiert wird. Die veränderte Lebenssituation erfordert meist eine komplette Neuorientierung: Wie sieht meine weitere Lebensplanung aus? Will ich wieder unternehmerisch tätig sein oder agiere ich als reiner Finanzinvestor? Welchem Zweck soll das Vermögen dienen?

Bei der Betrachtung des Vermögens ist vorrangig, dass es in sicheren Händen ist und generationsübergreifend erhalten wird. Für das Management des Privatvermögens müssen deshalb langfristig nachhaltige Strukturen geschaffen werden. Bei diesem Prozess ist ein Family Office als Berater häufig der bessere Partner. Der Grund liegt im Vergütungssystem: Bankberater und andere Finanzdienstleister verdienen erst dann, wenn sie Anlageprodukte verkaufen. Sie handeln damit nicht nur im Interesse des Mandanten, sondern provisionsgetrieben.

Elite Report: Wie verdient ein Family Office dann sein Geld?

Berndt Otternberg: Ein Family Office – so wie wir es verstehen – bietet ausschließlich Honorarberatung und keine eigenen Finanzprodukte an. Nur so können Kunden wirklich unabhängig beraten werden. Bei einem guten Family Office kann der Vermögensinhaber außerdem auf bekannte Unternehmensstrukturen zugreifen, die er noch aus seiner eigenen Firma kennt. 

Elite Report: Wie meinen Sie das?

Stephan Buchwald: In seiner Firma hatte der Vermögensinhaber sein Controlling, das die Unternehmensfinanzen im Blick behielt, er bekam regelmäßige Finanz-Reportings, Briefings und Entscheidungsvorlagen und er hatte ausreichend Personal für die Umsetzung seiner unternehmerischen Ziele. So ähnlich funktioniert das auch bei uns. Der Vermögensinhaber steht nach wie vor an der Spitze aller Entscheidungen und wird über die genaue Struktur und Entwicklung seines Kapitals zeitnah und umfassend informiert. Er gibt die Kontrolle über sein Vermögen also niemals komplett aus der Hand. Gleichzeitig hat er durch ein Family Office Team eine umsetzungsstarke »verlängerte Werkbank«.

Elite Report: Wie kann man sich den Beratungsprozess vorstellen?

Berndt Otternberg: Wir gehen dreistufig vor. Im Rahmen eines Workshops wird herausgearbeitet, welche Ziele mit dem Vermögen verfolgt werden sollen und welche familiären Besonderheiten es gibt. Darauf aufbauend wird die zukünftige Struktur des Vermögens, sowohl gesellschaftsrechtliche Strukturen als auch geeignete Anlageklassen, festgelegt. Gemeinsam mit dem Steuerberater erfolgt fortlaufend auch eine steuerliche Optimierung. Dritter Schritt ist die Auswahl geeigneter Manager, denen die Verantwortung für die einzelnen Vermögensbestandteile übergeben werden kann.

Elite Report: Es soll hierzulande einige hundert Family Offices geben. Wie findet man das individuell passende Büro?

Berndt Otternberg: Leider ist der Markt tatsächlich sehr intransparent. Weder ist »Family Office« ein geschützter Begriff, noch existieren unabhängige Marktanalysen. Als Unternehmer würde ich mir die Konzepte und Geschäftsmodelle mehrerer Kandidaten genau ansehen und unbedingt Referenzen einholen. Ich wäre skeptisch, wenn mir gleich zu Beginn langfristige Mandatsverträge vorgelegt werden. Die Qualität und Kompetenz der Berater kann man anfangs durch einzelne Projekte testen, zum Beispiel beim Vermögenscontrolling. Ganz wichtig ist letztlich auch, dass die Zusammenarbeit auf persönlicher Ebene stimmt. Familien werden von einem Family Office immerhin nicht nur über Jahre, sondern idealer Weise auch über Generationen vertrauensvoll und diskret betreut. 

Elite Report: Mittlerweile werden die Dienste von unabhängigen Honorarberatern nicht mehr nur von Familien in Anspruch genommen, sondern auch große Stiftungen oder kirchliche Vermögen holen sich externe Unterstützung. Welche Gründe gibt es dafür? 

Berndt Otternberg: Viele Stiftungen in Deutschland stehen vor einem finanziellen Problem: Die Turbulenzen an den Finanzmärkten wirken sich negativ auf ihre Einnahmen aus. Doch die meisten Einrichtungen brauchen regelmäßige Erträge, um ihrem Stiftungszweck nachkommen zu können. Aufgrund der Vorgaben der Stiftungsaufsicht haben viele Stiftungen ihren Fokus auf vermeintlich sichere Anlagen gelegt, zum Beispiel auf Staatsanleihen oder Tagesgeld. Die Unsicherheiten an den Finanzmärkten führen jedoch dazu, dass viele dieser konventionellen Anlagestrategien auf unabsehbare Zeit nur geringste Renditen abwerfen. Stiftungen müssen jedoch ihre Ziele mit den notwendigen Mitteln langfristig verfolgen können. Die Einnahmen reichen jetzt oft nicht mehr aus, um den Vermögensstock zu sichern und die Förderzusagen einzuhalten.

Elite Report: Was raten Sie Stiftungen, um einen Ausweg aus der Misere zu finden?

Berndt Otternberg: Die von uns beratenen großen Stiftungen öffnen sich jetzt auch für Anlageformen wie zum Beispiel Genussscheine, Wandelanleihen, Schuldscheindarlehen oder Immobilien und andere alternative Investments. Family Offices verfügen aus ihrer Arbeit für vermögende Privatkunden außerdem über Controlling-Tools, um Risiken für den Vermögensstock zu minimieren.

Elite Report: Meine Herren, vielen Dank für das interes- sante Gespräch!