– Frankfurter Rundschau

Finanz-Butler der Superreichen

Family-Officer arbeiten in der Königsklasse, stehen aber selbst immer nur im Hintergrund...

Wir sprechen nicht über unsere Kunden“, stellt Stephan Buchwald gleich zu Beginn klar. „Diskretion ist oberste Regel in unserem Geschäft.“ Nur soviel verrät er: Etwa ein Dutzend Familien, einige Stiftungen und auch kirchliche Vermögen werden von seinem Family Office Kontora aktuell betreut. Wer zu Buchwald kommt, hat längst ausgesorgt. Erst ab einem Gesamtvermögen von 20 bis 30 Millionen Euro lohnt sich die Beauftragung eines Family Offices. Insgesamt strukturieren und verwalten die nur 16 Mitarbeiter bei Kontora ein Vermögen von über zwei Milliarden Euro.

In Deutschland gibt es etwa 500 solcher Familienbüros. Die bekanntesten heißen Spudy & Co, Flossbach von Storch oder Focam und sind wie Kontora sogenannte „Multi-Family-Offices“ – sie verwalten das Kapital gleich mehrerer Familien. Eigene Finanzprodukte werden dabei nicht angeboten. Die Berater arbeiten völlig unabhängig von Banken und provisionsgesteuerten Finanzdienstleistern.„Wir meiden Provisionen wie der Teufel das Weihwasser“, sagt Buchwald. Bezahlt werde man entweder nach Aufwand oder durch eine fixe Vergütung. Nur so könne man wirklich unabhängig und ausschließlich im Sinne der gutbetuchten Klientel handeln. Diese Strategie hat sich offenbarauch in der Krise bewährt. Eine aktuelle Studie des Bayerischen Finanzzentrums in Kooperation mit J.P. Morgan zeigt, dass 80 Prozent der befragten Family Offices in den letzten zwei Jahren keinerlei Liquiditätsengpässe verzeichnen mussten.

Im Vergleich zu institutionellen Investoren wurden Anlagespielräume oft besser ausgenutzt, heißt es von den Autoren. Zudem wurde das verfügbare Vermögen auf sehr viele unterschiedliche Anlageklassen verteilt, um das Risiko möglichst gering zu halten. Ohnehin scheuen viele Kunden zu riskante Investments: Für fast 80 Prozent der Familien sind nicht etwa hohe Renditen, sondern der Vermögenserhalt oberstes Ziel der Anlagestrategie.

Die meisten gut betuchten Anleger scheuen riskante Investments

Für einen Family Officer beginnt ein neues Beratungsverhältnis in der Regel mit der Vermögensstrukturierung. Jede einzelne Anlage wird von dem Team sorgfältig analysiert und dann möglicherweise optimiert. Außerdem entwickeln die Experten zusammen mit dem Mandanten eine Finanzstrategie und wählen geeignete Anlageobjekte und Vermögensverwalter aus. „Oft nehmen wir unseren Mandanten auch den Verwaltungsaufwand ab, erledigen ihre Post oder kümmern uns um private Anliegen“, sagt Buchwald. „Manchmal wird man mitten in der Nacht von einem Familienmitglied angerufen, dem zum Beispiel im Ausland das Portemonnaie gestohlen wurde“, erzählt er weiter. „Wir haben dann die nötigen Vollmachten und kümmern uns etwa um die Sperrung der Kreditkarten.“

Family-Officer brauchen Kompetenz, Professionalität und eine gewisse Reife

Bei Kontora arbeiten Finanzbuchhalter, Banker und Aktienspezialisten genauso wie Immobilienexperten und Juristen. Für ein gutes Family Office brauche man ein interdisziplinäres Spezialistenteam, sagt Buchwald. Als Mitarbeiter müsse man neben Fachkompetenz auch eine gewisse Reife, Professionalität und ein gutes Auftreten mitbringen.

„Wir suchen aber keine Selbstdarsteller“, betont der gelernte Bankkaufmann. Als Family Officer stehe man niemals im Rampenlicht. „Wir arbeiten wie Consiglieri“, sagt er, „wie Privatsekretäre, die im Hintergrund agieren und wichtige Informationen zuflüstern.“ Dabei seien Arbeitswochen von 50 oder 60 Stunden in seinem Geschäft ganz normal. Die Anstrengung zahlt sich allerdings auch aus: Nach Branchenangaben verdienen erfahrene Family-Officer mehr als 100 000 Euro im Jahr.