– CityWire

Investitionen in Private Debt

Die globalen Niedrigzinsen haben Investments in Anleihen so unattraktiv wie noch nie gemacht. Viele Investoren gehen deswegen mehr Risiko ein – oder entdecken sie in Private Debt ihr neues Anleihe-Eldorado?

Nicht nur Aktien sind die großen Gewinner durch die Niedrigzinspolitik von Fed, EZB und Co. Auch die Assetklasse Private Debt sammelt fleißig neue Gelder ein. Kreditfonds, die mittels Fondsgelder Kredite an Unternehmen bereitstellen, bedienen eine Kreditnachfrage, die nicht oder nur ungern von Banken bedient wird. Deswegen ist das Rendite-Niveau durchaus interessant. Klar ist: Der Markt für Private Debt ist in Deutschland immer noch verhältnismäßig klein und hat im Jahr 2017 nur 17 Prozent der gesamten europäischen Anteile am Markt für Unternehmenskredite ausgemacht. Großbritannien war hier mit 20 Prozent führend, Frankreich mit 15 Prozent auf etwa demselben Niveau und Benelux folgend mit zwölf Prozent. Aber welche Investment-Lösungen im Hinblick auf Private Debt bevorzugen Family Officer? Oder sind Investments in Private Debt noch immer – auch für Family Officer und Asset Manager – eine Nische?

 

P A T R ICK M A U R E N B R E CH E R

Kontora

„Wir schauen uns seit ein paar Jahren Investmentoptionen im Bereich Private Debt an. Dabei ist ein breites Spektrum an Strategien zu beobachten, die mit sehr unterschiedlichen Chance/ Risiko-Verhältnissen einhergehen. Während wir bei den Listed-Debt-Instrumenten, insbesondere Anleihen, sehr unvorteilhafte Relationen sehen, ist aus unserer Sicht Private Debt spannend. Unsere Mandanten haben sich vor etwa fünf Jahren weitgehend aus dem Anleihebereich zurückgezogen. Dort werden Risiken aus unserer Sicht nicht angemessen bezahlt. Das ist auf der Private-Debt-Seite anders. Dort kann in Instrumente investiert werden, die wie Private-Equity-Fonds Finanzierungsmittel an Unternehmen vergeben und dabei als Investor bei vertretbaren Risiken sechs bis acht Prozent nach Kosten realisieren. Da sich hier sehr viele Kapitalgeber und neue Fonds tummeln, ist es wichtig, die einzelnen Asset Manager einer intensiven Due Diligence zu unterziehen. Howard Marx von Oaktree Capital warnt davor, dass eine neue Finanzkrise aus diesem Bereich kommen könnte, da viele unerfahrene Asset Manager zu hohe Risiken eingehen. Gute Basisinvestments haben wir unter anderem mit der Rothschild-Familie umgesetzt. Auch mit dem Schweizer Asset Manager Patrimonium haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht. Vor dem Hintergrund des späten Zeitpunktes im Zyklus haben unsere Mandanten aktuell über 15 Millionen Euro bei dem deutschen Debt-Fonds Robus investiert, der insolvenznah und operativ in Sanierungs- situationen tätig wird. Ein Beispiel ist Hallhuber, das aktuell mit der Hilfe von Robus aus der Gerry-Weber-Insolvenz herausgelöst wird. Aus Sicht der strategischen Asset Allokation eignen sich Debt- Fonds grundsätzlich gut, um die Allokation im Bereich Alternative Investments robust aufzustellen. Das sollte allerdings niemals die Bottom-up-Prüfung der einzelnen Teams überlagern.“