28. Nov. 2022 | Lesedauer: 6 Min.

Investieren in Zeiten globaler Risiken

Ukraine-Krieg, Inflation und Rezessionsgefahr: In Zeiten fallender Kurse sorgen sich viele Menschen um ihr Vermögen. Die einen schichten eilig um, die anderen schauen mit bangem Blick auf ihre Investments. Doch weder Aktionismus noch Lethargie machen das Vermögen krisenfest – sondern eine langfristige Strategie, die zu individuellen Anlagezielen passt. Worauf beim Portfolio-Check sonst noch zu achten ist, erfahren Sie hier!


Langfristig denken

An den Finanzmärkten geht es derzeit auf und ab. Krisen und geopolitische Spannungen setzen die Weltwirtschaft unter Druck, was seriöse Zukunftsprognosen erschwert. Wer in diesem Umfeld auf kurzfristige Investments setzt, sieht sich unkalkulierbaren Risiken ausgesetzt. Langfristige Investitionsentscheidungen hingegen machen weniger abhängig von der aktuellen makroökonomischen Situation: Wenn das Engagement mehrere Konjunkturzyklen überdauert, relativiert sich die Bedeutung konjunktureller Schwankungen.

Vermögende Familien, die dynastisch denken und ihre Werte für mehrere Generationen absichern wollen, bringen demnach bereits gute Voraussetzungen mit. Sie sind nicht auf kurzfristigen Gewinnzuwachs angewiesen und können ihr Vermögen so strukturieren, dass es sich trotz aller Krisen stabil entwickelt. Wobei es sich bei der strategischen Vermögensallokation um eine komplexe Aufgabe handelt, die Zeit in Anspruch nimmt: Allein der Portfolioaufbau kann bis zu drei Jahre dauern, ehe mit der aktiven Bewirtschaftung des Vermögens begonnen wird.

Assetklassen nutzen

Widerstandsfähige Vermögen setzen sich aus Assetklassen zusammen, die möglichst wenig korreliert sind. Träger*innen von Großvermögen genießen dabei einen Vorteil: Sie müssen sich nicht auf liquide Investments wie Aktien und Anleihen beschränken, sondern können im großen Teich der Anlagemöglichkeiten fischen. Dazu gehören die Vergabe von Eigen- und Fremdkapital  ebenso wie Beteiligungen an Immobilienprojekten oder Hedgefonds.

Kontora verknüpft in der Regel liquide und illiquide Anlagen, wobei Letztere nicht am Kapitalmarkt gehandelt werden und längere Laufzeiten aufweisen: Unternehmensbeteiligungen über Private Equity Fonds beispielsweise binden das eingesetzte Vermögen für etwa zehn Jahre. Investierte dürfen sich im Gegenzug über Renditen von bis zu zwölf Prozent p.a. freuen. Besonderes Augenmerk sollte auf die Auswahl herausragender Fondsmanager gelegt werden, denen auch in Krisenzeiten zuzutrauen ist, den Markt zu schlagen.


Streuen, aber richtig

Anlegende sollten jedoch stets darauf achten, dass Diversifikation nicht zum Selbstzweck wird. Fokussierte Gesamtportfolios müssen nicht mehr als 25 bis 30 Einzelinvestments enthalten, für die sich jeweils eine Positionsgröße von zwei bis fünf Prozent empfiehlt. Sind die Positionen kleiner, können sie keinen Einfluss auf die Gesamtperformance nehmen. Sind sie zu groß, wächst die Gefahr eines strukturellen Schadens.    

Ein abgesichertes Portfolio zeichnet sich zudem dadurch aus, dass sich die enthaltenen Investments auf mehrere Weltregionen erstrecken. So betrifft etwa der aktuelle Inflationsanstieg vor allem Amerika und Europa, während zahlreiche Länder Asiens noch deutlich gemäßigtere Raten ausweisen. Es gilt demnach, möglichst frühzeitig Regionen zu identifizieren, die attraktive Chancen versprechen.

Auf dem Prüfstand

Zeiten des Abschwungs gleichen einem Lackmustest. Sie offenbaren, ob die Investments im Portfolio geeignet sind, Risiken auszugleichen und mögliche Verluste zu dämpfen. Weist die Kurve steil nach unten, ist dies ein Anzeichen, dass sie identische Risiken abbilden und daher gleichförmig verlaufen. Dann ist Analyse und konsequentes Gegensteuern erforderlich: Ist mein Portfolio tatsächlich oder nur vermeintlich diversifiziert? Bin ich in Unternehmen investiert, die sich im aktuellen Umfeld behaupten können? Und was muss an der Vermögensstruktur verändert werden, um Werte für die Zukunft zu sichern?

Dabei ist es ratsam, zunächst die ursprünglichen Investitionsziele in den Blick zu nehmen und zu hinterfragen, ob diese weiterhin gültig sind. Haben sich hierbei Änderungen ergeben, muss die Anlagestrategie entsprechend angepasst werden. Anschließend ist jedes Investment daraufhin zu untersuchen, ob sich die gesetzten Ziele mit ihnen erreichen lassen. Fällt das Ergebnis negativ aus, sollten Anlegende sich nicht von „Sunk Costs“ oder emotionalen Bindungen stoppen lassen und verkaufen – oder bei erfolgreichem Prüfergebnis nachkaufen.