KONTORA INSIGHTS – DER UNTERNEHMER PODCAST.

Folge 12 - Dr. Wolfgang Mühlbauer

Dentalprodukte, Familienwerte und Forschergeist am Küchentisch: Wolfgang Mühlbauer (DMG) im Gespräch mit Kontora Geschäftsführer Patrick Maurenbrecher.

Die Themen dieses Podcasts mit Wolfgang Mühlbauer:

  • Was DMG macht (00:01:15)
  • Bescheidene Anfänge (00:02:58)
  • Einstieg ins Unternehmen (00:11:51)
  • Wie Innovation entsteht (00:19:30)
  • Warum DMG in Deutschland bleibt (00:27:22)
  • Ein Fehler, der keiner ist (00:35:35)
  • Über die Nachfolgeplanung (00:38:13)
  • Bedeutung von Feedback (00:49:44)
  • Drei Schlussfragen (00:54:48)

 

Komplette Folge hier als Video.

90 Millionen Euro Umsatz in 90 Ländern: Das Hamburger Familienunternehmen DMG wird weltweit geschätzt. Und auch wenn die wenigsten etwas mit dem Namen anfangen können, sind viele bereits mit seinen Produkten in Berührung gekommen. Wo? „Natürlich beim Zahnarzt“, erläutert Wolfgang Mühlbauer, der das Unternehmen in zweiter Generation führt. „Wir machen die Materialien, die in der Praxis gebraucht werden.“ Bei Kontora Insights geht es diesmal aber nicht (nur) um Zahnfüllungen und Abdrücke – sondern um bescheidene Anfänge, Innovation als unternehmerisches Lebenselixier und Fehler, die man bei der Nachfolgeplanung besser vermeidet.

Verlässliche Qualität „made in Germany“ sei das Fundament, neue Produktideen unerlässlich für Wachstum und Erfolg. „Innovation ist unser täglich Brot und täglich Problem – weil es eben nicht automatisch geht“, meint Mühlbauer im Gespräch mit Patrick Maurenbrecher. Verhältnismäßig einfach sei es, auf Kundenwünsche zu reagieren und Lösungen für konkrete Anforderungen zu entwickeln. Komplizierter sei es mit Ideen, die komplett neu gedacht werden und sich erst am Markt beweisen müssen. Wie beispielsweise bei der digitalen Prothetik. Oder bei Icon, einem Produkt zur Kariesbehandlung ohne Bohren und Schmerzen.


Mein Vater war schnell dabei, Verantwortung zu übergeben, zu sagen okay, mach du mal!

Wolfgang Mühlbauer
DMG


200.000 Euro, null Effekt

Die Berliner Charité hatte den Ansatz entwickelt, poröse Stellen im Zahn mit einem Harz zu verschließen. DMG erkannte Marktchancen und entwickelte im Zusammenspiel mit der Universität sowohl das Material als auch die Applikationslösung. Aber wie ein Produkt, das keiner kennt, an den Menschen bzw. Zahn bringen? „Wir haben vieles probiert“, so Mühlbauer. „Wie viele Erfinder glaubt man zu Anfang, dass sich das von alleine verkauft, denn jeder muss doch sehen, wie großartig das ist.“ Doch weit gefehlt. „Wir haben sogar Publikumswerbung gemacht und für 200.000 Euro große Plakate in der U-Bahn geklebt. Der Effekt war null.“

Also habe DMG das Problem an der Wurzel gepackt, nämlich bei den Zahnärzt*innen. Diese seien schließlich für Empfehlungen gegenüber ihren Patient*innen zuständig und nicht umgekehrt. Therapien werden jedoch nur dann empfohlen, wenn sie bekannt sind – und so sei man dazu übergegangen, Studierende an den Universitäten anzusprechen. Ohnehin sei der Input von Praktizierenden wichtig für das Entwickeln neuer Ideen. „Wir haben hier beispielsweise einen Circle of Experts, bei dem wir Fachleute auf dem Gebiet der Zahnheilkunde nach neuen Trends befragen.“ Auch gebe es einen internen Pool an Mitarbeitenden mit Spezialisierung in Chemie, Zahnheilkunde und Zahntechnik, die in ständigem Austausch mit der Berufspraxis sind.



Ich hatte jahrelang das Highlander-Prinzip im Kopf: Es kann nur einen geben!

Wolfgang Mühlbauer
DMG


Von der Hand in den Mund

Die Anfänge des Unternehmens, so Mühlbauer, seien ebenfalls von Erfindergeist geprägt gewesen. Dies aber in deutlich kleinerem Maßstab: Sein Vater Ernst hatte für das wenig erfolgreiche Dentalgeschäft seines Onkels gearbeitet und nach dessen unerwarteten Tod 1963 als Ein-Mann-Firma fortgeführt. Der Kaufmann und Autodidakt rührte fortan in der heimischen Küche Zahnzement an und perfektionierte diesen immer weiter. Später internationalisierte er das Geschäft und verbreiterte das Angebot um Produkte wie selbstaktivierende Amalgam-Kapseln.
  
Mühlbauer junior, der im Jahr der DMG-Gründung zur Welt kam, erinnert sich an die frühen Jahre: „Wir waren arm damals. Ich glaube, wir hatten im Jahr 1966 einen Monatsumsatz von 3.000 oder 4.000 Mark. Aber es ging voran.“ Mit großem Interesse habe er dem Vater beim Auf- und Ausbau des Geschäfts zugesehen und selbst „experimentiert“: „Ich habe als achtjähriger Steppke mit der Druckprüfmaschine Pfennige zerstört – sehr zum Leidwesen unseres Werkstattleiters.“ Das Interesse des Sohnes blieb nicht unbemerkt, bereits in Jugendjahren habe ihn der Vater auf die Branchenmesse nach Chicago mitgenommen und in Personalfragen einbezogen.

Es lag demnach auf der Hand, dass Mühlbauer nach seinem in Heidelberg und den USA absolvierten Chemiestudium bei DMG einstieg. „Mein Vater war sehr schnell dabei, Verantwortung zu übergeben, zu sagen okay, mach du mal!“ Vom Start weg habe er sich um das US-Geschäft gekümmert und zudem die Forschungsaktivitäten geleitet. Über Jahre funktioniert das Vater-Sohn-Tandem gut, jeden Tag um 12 Uhr stimmt man sich im Kreis der Führungskräfte ab. Doch bevor sein Vater mit 65 Jahren die Geschäfte endgültig übergeben wollte, starb dieser unerwartet, wie der Onkel Jahrzehnte zuvor.


Innovation ist unser täglich Brot und täglich Problem – weil es eben nicht automatisch geht.

Wolfgang Mühlbauer
DMG


Alles kann, nichts muss

Doch anders als damals sei alles vorbereitet gewesen: Die Verantwortungen waren klar geregelt, Mühlbauer junior besaß bereits alle Vollmachten. „Wir haben weiter geliefert, weiter innoviert und weiter verkauft. Wenn wir es den Kunden nicht in einem Brief gesagt hätten, hätten sie es kaum gemerkt.“ Er verfolge in seiner eigenen Nachfolgeplanung einen ähnlichen Ansatz, erzählt Mühlbauer. So seien seine vier Kinder bereits Gesellschafter*innen im Unternehmen, sein Sohn fange demnächst als Assistent der Geschäftsführung in einem Tochterunternehmen an. Auch für die Geschwister lasse er bewusst die Tür offen. Fürchtet er hier keine möglichen Konflikte?

„Ich hatte jahrelang das Highlander-Prinzip im Kopf: „Es kann nur einen geben!“ Inzwischen sehe ich das aber anders.“ So brauche die Firma jedes Quäntchen Intelligenz, eine Nichtberücksichtigung von Gesellschafter*innen wäre schlimme Verschwendung. „Und ich bin der Überzeugung, dass die das auch untereinander hinbekommen, sich zu einigen.“ Doch selbst auf eine Zukunft ohne ein Familienmitglied am Steuer sei man vorbereitet. So wirken an Mühlbauers Seite zwei externe Geschäftsführer*innen und die Zusammenarbeit funktioniere. Das Erfolgsgeheimnis: Ressortgrenzen respektieren und stets als Einheit auftreten. „Egal, wie man sich untereinander streitet, nach außen muss das ein Monoblock sein.“

Für DMG arbeiten rund 500 Mitarbeitende, 460 davon am Hauptsitz. Ein Erfolgsfaktor sei die Tatsache, dass hier Forschung, Entwicklung und Produktion vereint sind. Es existiert zudem ein Schulungszentrum, in dem der Umgang mit DMG Produkten an Dummy-Puppen erprobt werden kann. Überhaupt fühlt sich Mühlbauer an der Elbe wohl, gerade erst wurde DMG als Hamburger Familienunternehmen des Jahres ausgezeichnet. Versuche, Kostenvorteile zu nutzen und Teile der Produktion nach Brasilien oder Singapur auszulagern, wurden gestoppt. „Wir sind bei der Komplexität des Unternehmens nicht groß genug, um verschiedene Standorte zu unterhalten.“


In dieser Folge von Kontora Insights erfahren Sie außerdem, warum für Wolfgang Mühlbauer die einzig zulässige Antwort auf Feedback „Danke!“ ist und welchen Fehler er ein zweites Mal bewusst wieder machen würde.