KONTORA INSIGHTS – DER UNTERNEHMER PODCAST.

Folge 4 - Felix Kroschke

Wirtschaftswunder, Autoschilder und das PayPal der Zulassung: Felix Kroschke (Kroschke Gruppe) im Gespräch mit Kontora Geschäftsführer Patrick Maurenbrecher.

Die Themen dieses Podcasts mit Felix Kroschke:

  • Vom Straßenverkauf zum Unternehmen (00:01:05)
  • Neuanfang in Ahrensburg (00:09:15)
  • Felix Kroschkes „Rakentenstart“ (00:17:24)
  • Was die Kroschke Unternehmensgruppe macht (00:28:30)
  • Corona- und Lieferketten-Problematik (00:35:37)
  • Die digitale Zukunft des Zulassungswesens (00:44:14)
  • Drei Abschlussfragen (00:54:30)

 

Komplette Folge hier als Video.

Alles begann mit einem VW-Käfer, geparkt vor der Zulassungsstelle in Braunschweig. Elfriede Kroschke verkaufte aus dem Wagen heraus Autoschilder. Das Jahr war 1957 und die Nachfrage hoch. Und sie blieb hoch, bis in die Gegenwart: Heute ist die Kroschke Gruppe aus dem schleswig-holsteinischen Ahrensburg Marktführer in den Bereichen Kfz-Schilder und Zulassung. Und sie arbeitet neben dem angestammten Geschäft an einem ambitionierten Digitalangebot. Nachfolger Felix Kroschke ist seit 2017 als Geschäftsführer an Bord. Bei Kontora Insights erzählt er von einer einfachen Idee, die zu einer großen Erfolgsstory wurde – und von drei Generationen, die das Geschäft mit den Schildern jeweils neu interpretiert haben.


Es gab die klare Vision, der größte im Bereich Autoschilder zu werden.
Das war die Ansage.

Felix Kroschke
Kroschke Gruppe


Nah am Kunden

Die Großeltern arbeiteten noch als Duo. Er fertigte die Autoschilder im heimischen Keller, sie verkaufte. „Damals hatten die Leute mehr Zeit. Die haben dann gewartet, während mein Opa das hergestellt hat und einen Klönschnack gehalten“, erzählt Kroschke. Es wurde ein erstes Ladengeschäft eröffnet, bald schon folgten weitere in der Umgebung. Das Erfolgsrezept bis heute: Die Standorte müssen in unmittelbarer Nähe zur Zulassungsstelle liegen. Je näher, desto besser. Kroschkes Vater, seit Mitte der 1970er Jahre gemeinsam mit seinem Bruder im Unternehmen tätig, machte sich an den Aufbau eines deutschlandweiten Filialnetzes. „Es gab die klare Vision, der größte im Bereich Autoschilder zu werden. Das war die Ansage.“

Doch Ehrgeiz kann auch Reibung verursachen. 1995 kam es zur Aufspaltung des Familienunternehmens: Vater und Onkel konnten sich nicht länger auf eine Strategie verständigen und wollten künftig alleine weiterarbeiten. Den Vater zog es mit Familie nach Ahrensburg. Mutig sei dieser Schritt gewesen und auch ein Stück weit radikal: „Er musste in vielerlei Hinsicht wieder bei null anfangen, musste nochmal Schulden aufnehmen und alles Kaufmännische neu aufbauen.“ Mit dem DAD (Deutscher Auto Dienst) etablierte er bald darauf ein zweites Standbein, das  Zulassungsdienste für B2B-Kund*innen erbringt, zu denen Fahrzeugherstellende sowie Mietwagen- und Leasing-Anbietende gehören.

Die dritte Generation im Unternehmen – zu der Felix Kroschke und sein Bruder Philipp gehören – hat sich auf die Fahnen geschrieben, eben dieses Zulassungsgeschäft zu digitalisieren. Dank ihrer Software können Großkund*innen mit den Zulassungsbehörden kommunizieren. Man orientiere sich dabei an PayPal. Was das große Vorbild für den Bereich E-Commerce leistet, wollen die Ahrensburger für die Zulassung bieten – einen Baustein, der Prozesse sicher, schnell und einfach umsetzt.



Aber auch ein Fahrzeug, das autonom fährt, muss administriert werden – und das ist unsere Zukunftsvision.

Felix Kroschke
Kroschke Gruppe

Auf der Blockchain

Das Digitalgeschäft sei ein zentraler Teil der Zukunftsstrategie des Unternehmens. Schließlich wird eine Zeit kommen, in der Autos autonom fahren und eine Kennzeichnung mit Schildern nicht mehr erforderlich ist. „Aber auch ein Fahrzeug, das autonom fährt, muss administriert werden – und das ist unsere Zukunftsvision“, meint Kroschke. Hilfreich könne hierbei auch die Blockchain-Technologie sein, noch in diesem Jahr soll ein Pilotprojekt dazu starten. 

Für die unternehmerische Praxis bedeute dies einen Spagat. Es sei wichtig, an der Zukunft zu arbeiten und gleichzeitig möglichst alle auf die Reise mitzunehmen – niemand solle das Gefühl haben, auf dem Abstellgleis zu sitzen. Dazu bedürfe es nicht zuletzt einer Unternehmenskultur, die von Wertschätzung und ehrlicher Kommunikation geprägt ist.

Kroschke habe sich einen Zeitrahmen von etwa zehn Jahren gesetzt, um das Unternehmen in seinem Sinne zu verändern. Den jetzigen Job wolle er nur machen, bis er 40 Jahre alt ist. Schließlich könne man auch mehrere Karrieren im Leben haben. Und überhaupt: „Wenn wir es bis dahin nicht geschafft haben, die Firma zukunftsfähig aufzusatteln, dann müssen wir ohnehin ganz neu denken.“

Außerdem in dieser Folge von Kontora Insights: Warum Felix Kroschke nahezu ohne Vorbereitung in die Geschäftsführung eingestiegen ist – und wie die Arbeitsteilung mit seinem zehn Jahre älteren Bruder funktioniert.