KONTORA INSIGHTS – DER UNTERNEHMER PODCAST.

Folge 5 - Farhad Vladi

Robinson Crusoe, Richard Branson und das rauschende Meer: Inselmakler Farhad Vladi (Vladi Private Islands GmbH) im Gespräch mit Kontora Geschäftsführer Stephan Buchwald.

Die Themen dieses Podcasts mit Farhad Vladi:

  • Wie die Idee entstand, Inseln zu verkaufen (00:02:02)
  • Vladi recherchiert – zu Land, zu Wasser und in der Luft (00:12:24)
  • Warum der erste Eindruck wichtig ist (00:22:00)
  • Vladis eigene Insel in Neuseeland (00:34:35)
  • Full-Service-Pakete für Inselbesitzer (00:42:07)
  • Die Leidenschaft für Karten (00:52:26)
  • Drei Schlussfragen (00:55:22)

 

Komplette Folge hier als Video.

Eine eigene Insel für 5.000 D-Mark? Farhad Vladi ist Wirtschaftsstudent, als er in der Zeitung von einem privaten Inselverkauf liest. Die Meldung geht ihm nicht mehr aus dem Kopf: Was, wenn sich mit dem Traum vom Ausstieg ein Geschäft machen lässt? Der Hamburger recherchiert – und legt damit den Grundstein für eine Karriere, die bereits 50 Jahre andauert und ihn zum weltweit bedeutendsten Inselmakler macht. Bei Kontora Insights erzählt Vladi, wie er seinen ersten Abschluss machte, mit welchem Tipp ihm Richard Branson auf die Sprünge half und warum er sich als Kunsthändler der Natur versteht. 

„Ich habe schon als Kind von Inseln geträumt“, erzählt Vladi. „Ich las Bücher wie Robinson Crusoe und dachte mir: Eine Insel, auf die man sich zurückziehen kann, muss wunderbar sein.” Allerdings sei sein Vater, ein Kaufmann, zunächst wenig begeistert gewesen. „Ihm kam das so vor, als wolle ich Grundstücke auf dem Mond verkaufen.“ Letztlich einigte man sich auf einen Kompromiss: Vladi machte zuerst eine Banklehre – und ging im Anschluss seine ersten Schritte als Unternehmer.


Wir haben hier so eine Art Standesamt für private Inseln.

Farhad Vladi
Vladi Private Islands


Einzigartiges Archiv

Doch der Start sei nicht einfach gewesen, es fehlte an Inseln und möglichen Kunden. Kurzentschlossen annoncierte Vladi in einer Seychellen-Zeitung – und bekam ein erstes Angebot. Mit diesem ging er auf wohlhabende Hamburger*innen zu, ein Trio um den Kaffee-Unternehmer Albert Darboven schlug zu. Um weitere Anfragen bedienen zu können, machte sich Vladi auf, die Welt nach käuflichen Inseln abzusuchen.

Er wurde in französischen Amtsstuben vorstellig, flog in kleinen Flugzeugen die Küsten ab und hörte sich bei Fischer*innen nach Besitzverhältnissen um. Der Lohn dieser Arbeit ist ein weltweit einzigartiges Inselarchiv: „Ich habe 12.000 Akten hier liegen”, so Vladi, „da sind Landkarten drin und die Korrespondenz mit den Eigentümern. Wir haben hier so eine Art Standesamt für private Inseln.”

Nach und nach etablierte sich das Geschäft, bis heute hat Vladi weltweit rund 3.000 Inseln verkauft – darunter Ende 2021 die größte Privatinsel der kontinentalen USA. Über die Jahrzehnte habe sich seine globale Präsenz als überaus vorteilhaft erwiesen: In Zeiten der Rezession legte er den Fokus auf Weltregionen, die gerade einen Boom erlebten. Wenn es etwa in Europa abwärts ging, habe er sich um Amerika gekümmert. So sei es möglich gewesen, Konjunkturschwankungen auszugleichen.



Inseln sind Kunstwerke, Kunstwerke der Natur.

Farhad Vladi
Vladi Private Islands


Emotionale Bindung

Neben dem Verkauf von Inseln tritt Vladi auch als Vermieter auf. Ein zweites Standbein, von dem der Makler zunächst nichts wissen wollte, da er eine Kannibalisierung seines Kerngeschäfts befürchtete. Erst eine Empfehlung des Milliardärs und Virgin-Gründers Richard Branson brachte ihn zum Umdenken. Bei einer Silvesterfeier auf dessen Insel habe dieser ihm gesagt: „Farhad, du musst auch vermieten. Fang mal mit meiner Insel an, du wirst es sehen! Und er hat absolut Recht gehabt.“

Durch die Vermietung konnte Vladi eine neue Kundengruppe erreichen: Diese bleibt lieber flexibel, statt sich dauerhaft an eine Insel zu binden. „Wir haben auch Kunden, die jedes Jahr woanders mieten und die Welt sehen wollen. Heute Indischer Ozean, morgen Pazifischer Ozean – und die mieten eben.“ Für die Eigentümer*innen sei es ohnehin von Vorteil, wenn die Inseln nicht nur wenige Wochen im Jahr genutzt werden. Einerseits, da zusätzliche Einkünfte erwirtschaftet werden. Andererseits, weil die Infrastruktur in Schuss bleibt.

Die emotionale Bindung an eine Insel sei außerordentlich hoch. Wer eine besitzt, gebe sie in der Regel nicht mehr her – es sei denn, Tod, Schulden oder Scheidung erzwingen den Verkauf. „Inseln sind Kunstwerke, Kunstwerke der Natur“, sagt Vladi. Und wie bei der Kunst liegt der Reiz im Auge des Betrachtenden. Deshalb halte er sich bei Besichtigungen auch stets im Hintergrund: „Ich bleibe auf dem Boot und lasse den Kunden erstmal allein. Dann spürt er die enorme Energie der Insel und des rauschenden Meeres. Dabei würde ich nie stören.“

Außerdem in dieser Folge von Kontora Insights: Warum sich Farhad Vladi für historische Karten begeistert und mit welchem Ausruf er die Kaschmirziegen auf seiner eigenen Neuseeland-Insel anlockt.