KONTORA INSIGHTS – DER UNTERNEHMER PODCAST.

Folge 6 - Axel Stürken

Briefmarken, schöne Dinge und das Denken auf Papier: Axel Stürken (Leuchtturm Gruppe) im Gespräch mit Kontora Geschäftsführer Patrick Maurenbrecher.

Die Themen dieses Podcasts mit Axel Stürken:

  • Der Euro als Glücksfall für Leuchtturm (00:04:40)
  • Ein Online-Versandhandel entsteht (00:10:06)
  • Wie Leuchtturm1917 zum Erfolg wird (00:24:39)
  • Warum eine Fotoalben-Software scheitert (00:34:10)
  • Leuchtturm wächst durch Übernahmen (00:41:38)
  • Überlegungen zur Nachfolgeplanung (00:48:37)
  • Drei Schlussfragen (00:54:18)
     

Komplette Folge hier als Video.

„Ihre Firma ist sehr ertragreich, aber leider völlig perspektivlos!“ Als Axel Stürken 1992 ins Familienunternehmen einsteigt, konfrontiert ihn der Wirtschaftsprüfer des Hauses mit düsteren Zukunftsaussichten. Zwar gilt Leuchtturm als führender Anbieter von Briefmarkenalben. Aber man fragt sich, ob neue Generationen von Sammlern nachwachsen – und sieht perspektivisch den Fortbestand des Unternehmens bedroht.

Was also tun, um auch morgen noch erfolgreich zu sein? Bei Kontora Insights erzählt Axel Stürken von guten und weniger guten Geschäftsideen, einem Online-Versandhandel, der seiner Zeit voraus war und bunten Notizbüchern, die voll ins Schwarze treffen. 


Mein Bruder Max und ich mussten Leuchtturm erstmal zu dem Unternehmen machen, das wir gerne führen wollen.

Axel Stürken
Leuchtturm Gruppe


Eine Gruppe, acht Marken

Die Leuchtturm Gruppe aus Geesthacht bei Hamburg bietet heute alles, was das Sammlerherz begehrt, aber auch ein Online-Versandhaus, sowie Schreib- und Lederwaren. Das Kerngeschäft von einst trage noch etwa 50 Prozent zum Gesamtumsatz bei. Auf dem Weg zum diversifizierten Multi-Marken-Unternehmen habe man zahlreiche Ideen erprobt: „Mein Bruder Max und ich mussten Leuchtturm erstmal zu dem Unternehmen machen, das wir gerne führen wollen“, sagt Stürken.

Und das bedeutete für die Brüder zunächst, innerhalb des Unternehmens selbst zu gründen. Der Vater und Firmenpatriarch Kurt Stürken – 1935 geboren und bis heute im Unternehmen aktiv – habe sie dabei unterstützt. Also starteten die Brüder um die Jahrtausendwende den Onlineshop Torquato, ein „Versandhaus für schöne Dinge“. „In einem halben Jahr haben wir das Sortiment aufgebaut, alles getextet, fotografiert und online gestellt“, so Stürken. 

Zunächst fehlte es jedoch an Kund*innen, sowie an Wegen, diese zu erreichen. Google hatte sich noch nicht etabliert, langsame Internetverbindungen trübten zudem das Einkaufserlebnis. Also legte Torquato zunächst gedruckte Kataloge auf – und nahm Bestellungen ganz klassisch entgegen. „Fast die Hälfte der Bestellungen ging telefonisch ein“, sagt Stürken. „Auch das Fax erwies sich als wichtig: „Am Montag hat man viel Fax“ war ein geflügeltes Wort bei uns.“



Das Schreiben mit der Hand erleichtert das Denken. Es entkoppelt sich von der Büro- und Geschäftswelt und ist ein Akt der Selbstverwirklichung.

Axel Stürken
Leuchtturm Gruppe


Langer Atem zahlt sich aus

Erst nach und nach sei das Digitalgeschäft in Schwung gekommen: „Wir hatten und haben einen langen Atem, ohne diesen wäre unser Erfolg nicht möglich gewesen.“ Das Angebot an hochwertigen Produkten wie Kleidung, Seifen und Cremes umfasst mittlerweile rund 5.000 Produkte. Zusätzlich zum Versandhandel betreibt Torquato Ladengeschäfte in Hamburg, Berlin, Düsseldorf, Münster und München.

Doch nicht jede Geschäftsidee war erfolgreich. So habe man etwa das Vorhaben aufgegeben, eine Software für Fotoalben am Markt zu platzieren: Hobby-Fotografen hätten damit Seiten gestalten und ausdrucken können, um sie anschließend in passende Leuchtturm-Alben einzulegen. Einmal mehr habe sich jedoch das Timing als kritischer Faktor erwiesen. Als das Produkt nach zweijähriger Entwicklungszeit fertig war, ließen sich Fotobücher andernorts bereits vollständig digital bestellen.

Mit der Marke Leuchtturm1917 gelingt es jedoch, neben den Produkten für Sammler und Torquato ein drittes Standbein zu etablieren. Dabei lehnt sich Leuchtturm an das Notizbuch-Design des italienischen Herstellers Moleskine an – und interpretiert dieses neu. „Wir haben nach einem Unterscheidungsmerkmal gesucht“, erläutert Stürken. „Dabei sind wir auf die Idee gekommen, Notizbücher in Farben zu machen. Das hat enorme Breite im Handel gebracht, sowie Sichtbarkeit und Emotionalisierung.“

Bücher für den Segeltörn

Innovationen geben der Produktlinie zusätzlichen Auftrieb. So erscheinen etwa Notizbücher mit schwerem, tintensicherem Papier, sowie Varianten, die nassfest sind und sich für den Einsatz auf Segelbooten eignen. Stürken glaubt nicht, dass die voranschreitende Digitalisierung den Erfolg gefährdet: „Das Schreiben mit der Hand erleichtert das Denken. Es entkoppelt sich von der Büro- und Geschäftswelt und ist ein Akt der Selbstverwirklichung.“

Zuletzt hat die Leuchtturm Gruppe eine Reihe von Wettbewerbern übernommen und das eigene Markenportfolio weiter ausgebaut. Mit den Bereichen Sammeln, Versandhandel und Schreibwaren sieht sich das Unternehmen gut für die Zukunft gerüstet, wie auch immer diese aussehen mag. „Wir denken nicht dynastisch“, sagt Familienvater Stürken. Eine familieninterne Nachfolge sei denkbar – zentrale Bedeutung habe jedoch der Unternehmenserfolg.


In dieser Folge von Kontora Insights erfahren Sie außerdem, warum Axel Stürken das Sammeln für zeitlos hält, auf welche Kosten er bei der Übernahme von Unternehmen achtet und wer zu seinen größten Kritikern gehört.