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Patrick Maurenbrecher kritisiert: „Bei vielen Fondsmanagern steht die eigene Karriere im Fokus“

In vielen Portfolios der großen Asset Manager gibt es Überschneidungen bei den Titeln. Eine Diversifikation durch die Allokation mehrerer großer Fonds sei nicht gegeben. Zudem würden viele Fondsmanager das eigene Karriere-Risiko absichern und nur wenig Mehrwert erzielen. Deswegen allokiert Patrick Maurenbrecher vom Family Office Kontora lieber fokussierte One Captain Ships, ETFs oder spezialisierte Boutiquen.

In der Asset-Management-Branche gibt es sie zuhauf: Flaggschiff-Fonds von großen Asset Managern. Häufig breit gestreut mit vielen Titeln zur Diversifikation im Portfolio und häufig auch mit den selben großen Namen unter den Top-Positionen. Deswegen stellt sich für Investoren die Frage: Ist das noch Diversifikation oder kann das weg? Patrick Maurenbrecher, Geschäftsführender Partner beim Hamburger Family Office Kontora, hat im Gespräch mit Fundview dazu eine klare Meinung und sagt: „In der Asset-Management-Industrie agieren Fondsmanager typischerweise mit einem Team an Analysten. Diese decken die jeweiligen Sektoren und Unternehmen ab. Für ihre vermeintlich fokussierten Fonds werden dann aus hunderten Unternehmen 30 bis 50 Titel ausgewählt. Der Anleger geht bei solchen Produkten davon aus, dass viele Experten mit tiefen Insights das Portfolio aufbauen. Dies soll dann zu einer besseren Performance führen. Bei Kontora stellen wir diese Hypothese in Frage.“

Denn im Vergleich zu passiven Produkten, bei denen ein Markt abgebildet wird, können aktive Fondsmanager und ihre Teams zwar durchaus eine Outperformance erzielen, aber nur in jährlicher Regelmäßigkeit, wenn es sich um konzentrierte Portfolios von zehn bis 15 Unternehmen handelt. Es sei statistisch einfach extrem schwierig mit einem sehr breiten Portfolio einen Index zu schlagen. „Das intuitive Vorgehen bei vielen Investoren ist, dass Produkte von großen Banken oder Asset Managern aufgrund der Teamgröße auch bessere Ergebnisse liefern. Aber das ist ein Trugschluss“, sagt Maurenbrecher.

Das Hamburger Family Office allokiert lieber sogenannte One Captain Ships, die einen wirklich fokussierten Investment-Ansatz fahren. Viele hätten dabei das Gefühl, dass diese Strategien mit lediglich zehn bis 15 Aktien deutlich mehr Risiko vorweisen. Aber häufig zeigen eben diese One Captain Ships eine stärkere Performance. „Klar ist bei zehn Aktien die Volatilität insgesamt höher, aber mit Blick auf ein langfristiges Investment nehmen wir diese höhere Volatilität bei einer entsprechenden Performance gerne in Kauf. Zentral ist, dass der Totalverlust vermieden wird“, sagt Maurenbrecher.


Analyse von One Captain Ships kann auch Jahre dauern

Deswegen allokiert Maurenbrecher fast keine traditionellen Fonds mit 30 bis 50 Titeln mehr, sondern fast nur One Captain Ships und ETFs oder aber sehr spezialisierte Boutiquenfonds, die einen echten Mehrwert in einer Investment-Nische liefern. Einer der Gründe liegt auch in der Struktur dieser Investment-Möglichkeiten. Maurenbrecher erklärt: „In vielen Portfolios der großen Asset Manager und Banken gibt es eine gewisse Überschneidung der Titel. Insofern ist eine Diversifikation durch die Allokation mehrerer großer Fonds nicht gegeben, weil letzten Endes doch dieselben Titel im Portfolio vorhanden sind. Zudem steht bei vielen Portfolio- und Fondsmanagern noch immer vor allem eines im Fokus: Die eigene Karriere. Das ist leider immer noch ein wichtiger Aspekt und deswegen wird bei vielen Strategien vor allem das eigene Karriere-Risiko abgesichert und der Versuch unternommen, möglichst wenige Fehler zu machen.“

Bei One Captain Ships, also Strategien, die lediglich von einer Person verwaltet werden, ist das größte Karriere-Risiko hingegen, dass die Performance nicht stimmt und dadurch die Kunden dann verloren gehen. Deswegen würden Manager von One Captain Ships immer stärker auf die Investments und nicht auf ihre Karriere schauen. Darüber hinaus ist bei One Captain Ships immer das eigene Geld der Portfoliomanager mit investiert. Dies sei bei großen Asset Managern – zum Teil auch aus regulatorischen Gründen – oft nicht der Fall.

„Bei One Captain Ships dauert die Due Diligence natürlich länger als bei großen Fonds-Gesellschaften, denn wir müssen hier eine Einzelperson genau analysieren und sind bei der Performance von einer einzigen Person und nicht von einem Unternehmen oder Team abhängig. Dazu gehört einerseits die quantitative Analyse aber auch die qualitative Analyse des Managers“, sagt Maurenbrecher und fügt hinzu: „Da kann die Analyse manchmal auch Monate oder Jahre dauern. Ein wichtiger Analyse-Aspekt ist dabei auch die Struktur des Managers und die Struktur der Assets. Denn wenn es einen Großinvestor oder Anker-Investor gibt und dieser dann aus welchen Gründen auch immer seine Assets zurückzieht, kann das auch zur Auflösung der Strategie führen.“

Quelle:

https://www.fundview.de/posts/2022/01/2022-01-07-patrick-maurenbrecher-kritisiert-bei-vielen-fondsmanagern-steht-die-eigene-karriere-im-fokus.html