Jubel im Büro
Den Stein ins Rollen brachte dann der Austausch mit ihrer ehemaligen Kommilitonin Larissa. Diese sei bereits entschlossen gewesen zu gründen, hatte aber noch keine konkrete Idee. Bei einem gemeinsamen Brainstorming-Wochenende in Südtirol kreisten die Gespräche um das Phänomen, dass viele Unternehmen nicht in der Lage sind, ihre Werte glaubhaft zu kommunizieren. „Wir haben gesehen, dass Kultur ein wesentlicher Faktor ist, zum Recruiting aber nicht eingesetzt wird“, so von Mutius. An diesem Punkt ließe sich ansetzen. Die beiden Frauen vereinbarten eine Woche Bedenkzeit, sonntags darauf Punkt 15 Uhr sei dann die Entscheidung gefallen, ein Unternehmen aus der Taufe zu heben.
Von da an ging es in hohem Tempo voran. Von Mutius erzählt, wie sie in nur zwei Wochen nach Berlin gezogen ist, um die ersten Schritte zu gehen. So galt es, ein Gründerstipendium zu beantragen, Gespräche mit HR-Profis zu führen und Studien zu sichten. Dies alles parallel zur Entwicklung des Produkts, der „Empion-Methode“: Diese ermöglicht ein Job-Matching auf Basis von Merkmalen wie Werten, Persönlichkeitsmerkmalen und Fähigkeiten unter Einsatz von KI-Technologie. Als erstmals eine erfolgreich vermittelte Einstellung gemeldet wurde, sei man jubelnd durchs Büro gelaufen: „Das war so ein Moment, in dem wir realisierten, wir haben jetzt wirklich ein Leben maßgeblich beeinflusst.“
Chaos und Wachstum
Viel habe sich in den vergangenen zwei Jahren bereits verändert. So sei es im ersten Jahr vor allem darum gegangen, zu experimentieren. Im zweiten Jahr wiederum habe das Geschäft an Fahrt aufgenommen: „Das war super, da sind wir einfach total gewachsen. Alles war komplettes Chaos, aber wahnsinnig viel lief auch einfach wahnsinnig gut.“ Mittlerweile sei man dabei, die Professionalisierung konsequent voranzutreiben. Einerseits brauche es dazu tragfähige Strukturen. Andererseits würden sich auch die Anforderungen an das eigene Personal verändern: „Letztes Jahr waren das in der Regel Menschen, die in dem totalen Chaos total zufrieden waren, die das super fanden.“
Nun jedoch brauche es auch jemanden fürs Vertriebsteam, der den ganzen Tag Kunden anruft und strukturiert Prozesse abarbeitet. Ob es wichtig sei, VC-Fonds an Bord zu haben, die mehr zu bieten haben als Geld und den Gründerinnen mit Rat und Tat zur Seite stehen, will Gastgeber Stephan Buchwald wissen. Einerseits ja, sagt von Mutius dazu, schließlich sei es wichtig zu lernen und von Netzwerken zu profitieren. Andererseits nehme der Mehrwert, der über das Geld hinausgeht, mit der Zeit ab. „Wenn man sich schnell entwickelt, wird man auch schnell Experte für sein Gebiet und kennt sich mit vielen Sachen dann auch irgendwann selbst am besten aus.“